Prozessanpassung:
Eine Hinzunahme eines weiteren, oder die komplette Umstellung auf einen anderen Hersteller, schafft eine technisch/ablaufmäßige Schnittstelle und erfordert einen erheblichen Mehr-Aufwand mit Einarbeitung und Schulung der Mitarbeiter, Umstellung der Software, Validierung sämtlicher Prozesse. Alle an der Geräteaufbereitung beteiligten Mitarbeiter werden, nach Erlangen der Sachkunde und der Ersteinweisung, zweimal jährlich erneut geschult. Zusätzliche Schulungsmaßnahmen wären unvermeidlich.
Hygieneprozesse:
Bei der letzten Begehung und Prüfung des IEZ durch das Gesundheitsministerium 2017 war neben der Forderung eines kompletten Umbaus der Aufbereitungsräumlichkeiten eine weitere zwingende Vorgabe, den Einsatz- und Reinigungszyklus jedes einzelnen Endoskops elektronisch zu erfassen, so dass zu jedem Zeitpunkt die Aufbereitung vor, und nach dem Einsatz am Patienten, dokumentiert und nachvollziehbar ist. Aufgrund dieser Vorgabe wurden vier neue Aufbereitungsmaschinen installiert und auf das Dokumentationssystem "Endobase" von Olympus umgestellt, das neben der Untersuchungs- und Befunddokumentation, auch die vollumfängliche Aufbereitung- und Reinigungsdokumentation ermöglicht. Im Falle eines Anbieterwechsels wäre zu klären, inwieweit die automatisierte Geräteerkennung und die vollumfängliche Dokumentation des Aufbereitungsprozesses gewährleistet bleibt. Eine komplett neue Validierung wäre zwingend erforderlich. Die Anpassung der Anschlüsse und des Aufbereitungsprozesses wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Darüber hinaus ist der zusätzliche Schulungsaufwand aller Berufsgruppen, die mit der Software arbeiten müssen, zu berücksichtigen. Falls keine Kompatibilität gegeben wäre, müssten zwei parallele Systeme mit entsprechendem Aufwand installiert werden. Auch insoweit führt das Vorhalten und Durchführen zweier unterschiedlicher Prozesse zudem zu der Gefahr von Fehlern in der Umsetzung von Hygieneprozessen und damit zu Risiken für die für die Patientensicherheit überragend wesentlichen Hygiene.
Schnittstellen:
Sowohl die Befunddokumentation und -Erstellung, als auch die oben ausgeführte Dokumentation des Gerätereinigungszyklus, basiert auf dem EDV-System Endobase von Olympus. Dieses wurde mit großem Aufwand an des Klinikinformationssystem angedockt. Es handelt sich hierbei um drei HL7 Schnittstellen (Patientendaten, Leistungsanforderungen und Befundergebnisse), die jeweils etwa 50 definierte Datenfelder gemäß den entsprechenden HL7 Segmenten transportieren. Sämtliche Prozesse müssten bei einer fehlenden Kompatibilität der Prozessoren und der Endoskope mit einem weiteren Parallelsystem etabliert werden. Die für den existierenden Gerätepark von Olympus verwendeten Schnittstellen sind herstellerspezifisch entwickelt, und können nicht - jedenfalls nicht ohne wesentliche Anpassungen - für Geräte anderer Hersteller verwendet werden.
Nach Vorstehendem ergibt sich, dass der Mischbetrieb im IEZ mit Endoskopen in mehrerlei Hinsicht Risiken entstehen - mit unterschiedlicher Eintrittswahrscheinlichkeit -, die unmittelbar den sicheren Betrieb der Endoskope und damit die Sicherheit der Gesundheit der Patienten betreffen. Das UKHD hält es demgemäß für im Ergebnis zwingend, die mit einem Mischbetrieb im vorliegenden Fall einhergehenden Risiken für die Patientengesundheit auszuschließen und einen Mischbetrieb zu vermeiden.